Den Beruf des Parfümeurs entdecken
Coralie Frébourg

Was ist eine Nase? Ein Teil unseres Gesichts, klar, und weiter? Eine „Nase“ zu sein bedeutet in Wahrheit, Parfümeur zu sein.
Im Jahr 1651 verlieh Ludwig XIV. das Patent und die offizielle Anerkennung als „maître gantier-parfumeur“, also Meister der Handschuhmacher und Parfümeure (damals parfümierte man Leder, daher diese Verbindung).
Zurück in die Gegenwart. Der Beruf ist der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt, weil Parfümeure im Verborgenen arbeiten: Im Rampenlicht stehen die Marke, die Verpackung, das Werbegesicht… Aber ohne den Duft selbst würde doch etwas fehlen, oder?
Wir haben die vier Parfümeurinnen des Studios Flair befragt, die alle Versatile-Düfte kreieren, damit sie Ihnen diesen Beruf mit all seinen Facetten und Besonderheiten erklären.
Welche Ausbildung braucht man, um Parfümeur zu werden?
Es gibt viele unterschiedliche Wege: mit oder ohne Schule, über die hauseigene Schule eines Duftstoffherstellers, als Autodidakt… Bei Flair treffen zwei Ausbildungswege aufeinander. Amélie Bourgeois und Anne-Sophie Behaghel haben ihr Handwerk bei Cinquième Sens gelernt, an der Seite eines Meisterparfümeurs: Die Weitergabe von Wissen ist der Kern ihrer Ausbildung. Camille Chemardin und Elia Chiche haben beide die École supérieure du parfum besucht, ein fünfjähriges Studium, das Chemie, Olfaktorik, Kreation und Marketing verbindet, mit einer Spezialisierung auf Parfumkreation.
Großer Duftstoffhersteller oder unabhängiges Labor: Was ist der Unterschied?
In den großen Häusern (Givaudan, Firmenich, Symrise…) wirken viele Akteure an der Kreation mit: Evaluatoren, Vertrieb, Marketing… Bei den Unabhängigen gibt es mal Evaluatoren, mal nicht. Bei Flair arbeiten die vier Parfümeurinnen ohne Zwischenstufen und pflegen eine enge Beziehung zu ihren Kunden. Jede Kreation ist maßgeschneidert, der Prozess ist flexibel und schnell, und die Produktionsmengen sind auf kleinere Marken zugeschnitten.
Parfümeur oder Evaluator: Was ist der Unterschied?
Das sind zwei völlig verschiedene Berufe.
- Der Parfümeur beherrscht die Kunst der Komposition: Er kombiniert die Rohstoffe und lässt sie miteinander lebendig werden. Er steht am Anfang jeder Kreation.
- Der Evaluator ist das Bindeglied zwischen Parfümeur, Kunden und Vertrieb. Er übersetzt die Wünsche des Kunden und gibt der Kreation die Richtung vor. Er kennt den Markt in- und auswendig und spielt eine Schlüsselrolle zwischen Koordination, Strategie und olfaktorischer Expertise, mit einem Blick von außen auf die Entwürfe.
Woher weiß man, ob zwei Rohstoffe harmonieren?
Das ist ein sehr langer Lernprozess, der auf Experimenten und Versuchen beruht. Man folgt seiner olfaktorischen Intuition und stellt sich vor, wie ein Akkord wirken wird. Man komponiert, wiegt die Formel im Labor ab, riecht daran, lernt dazu. Und fängt von vorne an. Mit den Jahren kennt man die Rohstoffe und ihre Wechselwirkungen. Doch die Kombinationen sind unendlich: Die Inspiration und die Lust am Ausprobieren hören nie auf!
Nase: ein Männerberuf?
Wie viele andere Berufe war auch der des Parfümeurs lange Männersache. Das ändert sich von Generation zu Generation: Es gibt immer mehr Frauen in den Duftstoffhäusern oder an der kreativen Spitze großer Marken (Christine Nagel bei Hermès, Mathilde Laurent bei Cartier). An den Parfumschulen sind die Studierenden übrigens mehrheitlich Frauen. Auch wenn die Medien Parfümeurinnen noch zu selten ins Rampenlicht stellen, geht der Trend in die richtige Richtung.
Das Konzept von Flair
Das Studio kreiert neue Akkorde, um originelle Düfte anzubieten, und tut alles, um so flexibel wie möglich zu sein und das Projekt eines Kunden konkret werden zu lassen.
Woher bezieht man als unabhängiges Studio seine Rohstoffe?
Die großen Häuser entwickeln oft ihre eigenen Inhaltsstoffe. Flair wählt die Rohstoffe seiner Duftorgel gemeinsam mit VO Aromatiques aus, dem Partnerwerk in Grasse. Sie stammen von verschiedenen Unternehmen: Biolandes, Firmenich, Robertet, Behave…
Kennt man alle Rohstoffe auswendig?
Nein. Im Labor trifft man bereits eine Auswahl aus den unzähligen Rohstoffen der Branche. Die unserer eigenen Palette kennen wir sehr gut, entdecken an ihnen aber immer wieder neue Facetten. Genau das ist so spannend: Man lernt nie aus. Damit Sie sich zurechtfinden, lesen Sie unsere Beiträge über die Duftfamilien und Duftnoten.
Wie lange dauert die Entwicklung eines Parfums?
Zwischen einigen Monaten und einem Jahr, anderthalb Jahren. Mehr über alle Etappen erfahren Sie in unserem Artikel Wie entsteht ein Parfum?
Welches Budget braucht man, um ein Parfum zu komponieren?
Das durchschnittliche Budget, das Parfümeuren zur Verfügung steht, liegt oft bei etwa 150 € pro Kilo für ein Parfum für die Haut und bei 50 bis 80 € pro Kilo für eine Kerze. Je nach Wunsch des Kunden kann es weniger sein, oder auch viel mehr. Zum Vergleich: Die Formeln von Versatile kosten zwischen 300 und 600 € pro Kilo (netto).
Wo werden die Parfums hergestellt?
VO Aromatiques übernimmt auch die Produktion des Konzentrats, in seinem Werk in Grasse.
Kreieren Parfümeure nur Parfums?
Nein: Kerzen, Duftsignaturen für Marken, Seifen, Shampoos, Cremes, Waschmittel…
Was sie an ihrem Beruf am meisten lieben
Es ist vor allem ein Beruf aus Leidenschaft: Alle Aspekte, die spannenden wie die mühsameren, gehören zum Abenteuer, wenn man sich für die Selbstständigkeit als Parfümeurin entscheidet. Trotzdem hat jede ihre Vorlieben:
- Camille: durch eine Kreation ein Gefühl zu vermitteln.
- Elia: der Kontakt mit den Rohstoffen und das Kreieren rund um sie.
- Amélie: das Kreieren (sich etwas vorstellen, interpretieren, umsetzen) und der Austausch mit den Art Directors.
- Anne-Sophie: das Glück, ein Parfum zu kreieren, das begleitet, beruhigt, aufheitert oder berührt.
Lust, ihre Arbeit zu riechen? Die Parfümeurinnen von Flair stehen hinter all unseren Kreationen, etwa Croissant Café (Elia Chiche), Gueule de Bois (Amélie Bourgeois), Culot Thé (Anne-Sophie Behaghel) oder Dimanche Flemme (Camille Chemardin). Am einfachsten entdecken Sie sie alle mit unseren Discovery Boxes.